Müllverbrennung von radioaktiv belastetetem AKW-Abriss-Material

Seit 2016 wird Müll, der aus dem AKW Gundremmingen stammt, im Müllheizkraftwerk Weißenhorn verbrannt. Seit der Stilllegung des AKW-Blocks B (und später des Blocks C) wird dafür zunehmend Material angeliefert, das aus Abriss-Aktivitäten des radioaktiv belasteten AKWs stammt. Müllverbrennung kann aber Radioaktivität nicht aus der Welt schaffen, sondern verteilt die vorhandenen radioaktiven Partikel nur neu in der Umgebung. Die Ulmer Ärzteinitiative lehnt es ab, dass Gundremminger AKW-Abfall langfristig in großen Mengen per Müllverbrennung über die Luft weiträumig in der Umgebung verteilt wird, selbst wenn die radioaktive Belastung der einzelnen angelieferten Abfall-Säcke angeblich nur gering sein sollte.

Gefahren ionisierender Strahlung
Denn: Es gibt keinen unteren Strahlengrenzwert, unter dem eine radioaktive Belastung als wirkungslos bezeichnet werden kann. Jede weitere Strahlenbelastung und auch viele kleine weiteren zusätzlichen Belastungen rufen bei Mensch, Tier und Pflanze zu Folgen, die sich im Laufe der Jahre summieren.

Oberflächen-Vorbehandlung mit anschließender „Freimessung“
Auch die im AKW angewandte Oberflächen-Vorbehandlung mit anschließender „Freimessung“ entsorgt Radioaktivität nicht wirklich, sondern vermehrt die im AKW anfallende Gesamt-Müllmenge und verteilt die vorhandenen radioaktiven Partikel nach einer Verdünnung nur weiter. „Freimessung“ ist in diesem Zusammenhang ein verharmlosendes Wort für eine fragwürdige Methode, mit der dasselbe Material nach einer Messung juristisch nicht mehr als radioaktiv belastet definiert wird. Nach einer „Freimessung“ kann die Atomindustrie das Abfall-Material ohne weitere Vorsichts-Maßnahmen und ohne weitere Atomaufsicht als normalen Müll oder als Wertstoffe in die Umgebung und an andere Industrien abgeben. Was danach damit geschieht, kontrolliert niemand mehr.

Alternative: Abgeschirmte Lagerung unter Atomaufsicht
Da ein Strahlungspotential durch einen normalen radioaktiven Zerfall von selbst allmählich abnimmt, propagiert die Ulmer Ärzteinitiative eine „Bunkerlösung am Standort nach vollständigem Abbau“ oder alternativ ein „Stehenlassen nach Entkernung“ und damit eine abgeschirmte Lagerung auch des gering radioaktiv belasteten Materials unter weiterer Atomaufsicht (z.B. auf dem AKW-Gelände o.ä.). Das Abriss-Material sollte auch nicht mehr durch eine aufwändige Oberflächen-Vorbehandlung volumenmäßig vermehrt werden. Damit müsste nichts gesundheitsgefährdend vorbehandelt und getrennt, nichts transportiert und auch nichts im Müllheizkraftwerk verbrannt werden. Dies wird auch so durch den Deutschen Ärztetag 2017 so unterstützt. Dies hatte die Ulmer Ärzteinitiative 2017 auch so als Einwendung im Gundremminger Abbau-Genehmigungsverfahren vorgetragen.

Die Ulmer Ärzteinitiative hatte im Februar 2019 mit einem offenen Brief eindringlich an Landrat und Kreisräte des Landkreises Neu-Ulm appelliert: „Beenden Sie die Müllverbrennung der „freigemessenen“ Materialien, die wöchentlich und noch für lange Zeit aus dem AKW Gundremmingen bei der Müllverbrennungsanlage Weißenhorn angeliefert werden.“

Die Müllverbrennung von Gundremminger Material geht nach kurzem Moratorium aber ab März 2019 leider wieder weiter … >>> 2019-02-15-Information der Ulmer Ärzteinitiative-Müllverbrennung geht weiter

Hier zum vollständigen Text des offenen Briefes an den Landrat >>> 2019-02-10-Offener-Brief-Muellverbrennung-radioaktives-Material

Hier zu einem ausführlichen Interview, veröffentlicht in der SWP am 07.02.19 >>> https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/kreis-neu-ulm-bayern/_wir-sollten-uns-wehren_-29433178.html

Hier zur Einwendung der Ulmer Ärzteinitiative im Gundremminger Abbau-Genehmigungsverfahren 2017 >>> 2017-03-Stellungnahme der Ulmer Aerzteinitiative-IPPNW zum Abbau des Blocks B im AKW Gundremmingen

Hier zum Entschluss des Deutschen Ärztetags 2017 zum AKW-Abbau (S.240-241) >>> https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/120.DAET/120DaetBeschlussProt_2017-05-26.pdf

Hier zusammengefasst die Stellungnahme der Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung Weißenhorn e.V. vom Februar 2019 >>> 2019-02-Zusammengefasste Stellungnahme der Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung Weißenhorn e

Weiterführende Links zum Thema Gefahren ionisierender Strahlung etc.:

Gefahren ionisierender Strahlung >>>https://ippnw-ulm.de/gefahren-ionisierender-strahlung/

Kinderkrebs um Atomkraftwerke >>> https://ippnw-ulm.de/kinderkrebs-um-atomkraftwerke/

Gesundheitliche Folgen von Fukushima >>> https://ippnw-ulm.de/gesundheitliche-folgen-von-fukushima/

IPPNW-Empfehlung zur Jodblockade der Schilddrüse >>> https://ippnw-ulm.de/ippnw-empfehlung-zum-thema-jodblockade-der-schilddruese/

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